Bauvorhaben im Georg-Raloff-Ring 11 – Verwaltung fordert sechs Etagen - Wir haben Angst um die Lebensqualität im Quartier!

Bei der letzten Sitzung des Stadtteilbeirates Appelhoff am 04.09.2017 haben uns die Vertreter der Martin Luther King Kirche den aktuellen Sachstand zur Bebauung des Grundstückes Georg-Raloff-Ring 11 geschildert. Über die aktuelle Entwicklung waren alle Anwesenden erschüttert. Die Kirche wird von der Verwaltung erpresst. Entweder baut sie weniger oder deutlich höher. Ein mit dem Quartier abgestimmter und für gut befundener Bauentwurf wird hingegen nicht zu gelassen, da vermeintlich ein Baum nicht gefällt werden kann, obwohl ein anerkannter Gartenbauingenieur die Fällung für zulässig hält. In Wandsbek wurden mehr als 2.800 Straßenbäume ohne Nachpflanzung gefällt und ein Baum soll nunmehr ein für gut befundenes Bauvorhaben stoppen? Aus der Sicht des Stadtteilbeirates wird auf dem Rücken der Kirche die soziale Entwicklung des Quartiers Appelhoff sowie von Neu-Steilshoop aufs Spiel gesetzt, da die Kita Georg-Raloff-Ring sowie die blaue Kachel in Neu-Steilshoop durch die fehlenden Einnahmen der Kirche in Gefahr sind.

Auf der letzten Sitzung wurde einstimmig vom Beirat sowie von allen anwesenden Anwohnern entschieden, dass der Beirat den Bezirksamtsleiter von Wandsbek mit der Bitte eine Lösung zu finden anschreibt.

Diesen Brief finden Sie unter "mehr lesen". Wir hoffen, dass eine gute Lösung gefunden werden kann.

Gesendet am: 17.09.2017, 15:02 Uhr

An den Bezirksamtsleiter von Wandsbek

z.H. Thomas Ritzenhoff

 

Sehr geehrter Herr Ritzenhoff,

 

bei der letzten Sitzung des Stadtteilbeirates Appelhoff am 04.09.2017 haben uns die Vertreter der Martin Luther King Kirche den aktuellen Sachstand zur Bebauung des Grundstückes Georg-Raloff-Ring 11 geschildert. Über die aktuelle Entwicklung sind wir bestürzt. Die Kirche wird von der Verwaltung erpresst. Entweder baut sie weniger oder deutlich höher. Ein mit dem Quartier abgestimmter und für gut befundener Bauentwurf wird hingegen nicht zu gelassen, da vermeintlich ein Baum nicht gefällt werden kann, obwohl ein anerkannter Gartenbauingenieur die Fällung für zulässig hält. In Wandsbek wurden mehr als 2.800 Straßenbäume ohne Nachpflanzung gefällt und ein Baum soll nunmehr ein für gut befundenes Bauvorhaben stoppen? Aus der Sicht des Stadtteilbeirates wird auf dem Rücken der Kirche die soziale Entwicklung des Quartiers Appelhoff sowie von Neu-Steilshoop aufs Spiel gesetzt, da die Kita Georg-Raloff-Ring sowie die blaue Kachel in Neu-Steilshoop durch die fehlenden Einnahmen der Kirche in Gefahr sind.

 

Hintergrund

Das Bauvorhaben wurde vor mehr als 2 Jahren im Stadtteilbeirat Appelhoff vorgestellt. Die Kita Georg-Raloff-Ring sollte unbedingt für das Quartier gesichert werden. Auch sollte nicht zu massiv gebaut werden. Mit 55 Wohneinheiten hat die Kirche dem Wunsch des Beirates entsprochen. Ein Drittel war für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen. Ziel des Baus sollten monatliche Einnahmen (Erbpacht) von ca. 45.000 Euro sein, um damit auch den Erhalt des Gemeindezentrums (blauen Kachel) sowie der KITA Georg-Raloff-Ring langfristig zu sichern.

 

Geschilderte Problematik

Eine Stileiche (Nr. 1537), die mitten auf dem Grundstück steht - also nicht straßenprägend ist -, verhindert die Umsetzung der Baumaßnahme. Dem vorgelegten qualifizierten Baumgutachten des anerkannten Gartenbauingenieurs Thomsen (wurde auch des Öfteren vom HH-Senat für Baumgutachten bemüht), wurde vom WBZ Naturschutz standhaft widersprochen. Stattdessen wurde der Vorschlag gemacht, entweder die Anzahl der Wohnungen erheblich zu reduzieren oder die Geschossanzahl deutlich zu erhöhen oder aber die KITA abzureißen und die gesamte Fläche zu bebauen.

 

Der Pastor Ullrich äußert seine Bestürzung über diese starre und unausgewogene Haltung des Bezirks, die weder die langfristigen Interessen der Kirchengemeinde, noch die Interessen der Bewohnerschaft, noch die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt angemessen berücksichtigt. Zudem ist fraglich, ob der Kirchenkreis Hamburg-Ost (Bauherr) das Bauvorhaben unter diesen Bedingungen noch weiterverfolgen wird.

 

Haltung des Beirates

Nach dem die Vertreter der Kirche das Bauvorhaben geschildert hatten, ging ein Raunen durch die Reihen. Nach Diskussionen hat der Beirat sowie alle anwesenden Anwohner einstimmig entschieden, dass der Vorsitzende des Beirates den Bezirksamtsleiter anschreibt und diesen bittet sich für den im Quartier abgestimmten Entwurf einzusetzen.

 

Durch die Blockadeehaltung der Verwaltung, welche nach Schilderung von den Vertretern der Kirche auch nach mehreren Gesprächen nicht gelockert werden konnte, steht die Zukunft der blaue Kachel in Steilshoop sowie die KITA Georg-Raloff-Ring und das lebenswerte Quartier Appelhoff auf dem Spiel.

 

 

Für die Verwaltung gibt es nur die Optionen - weniger Wohneinheiten oder die erhebliche Anhebung der Geschosse. Nach Schilderung der Kirchengemeinde würden weniger als 55 Wohneinheiten keinen ausreichenden Pachtertrag zur Folge haben und damit den Wert des Grundstückes unverantwortlich reduzieren. Zudem sei fraglich, ob der Kirchenreis Hamburg-Ost unter diesen Umständen die Bebauung umsetzen wird. Der Erhalt der blauen Kachel und der KITA Georg-Raloff-Ring wären weiterhin gefährdet.

 

Somit blieb der Kirche lediglich die Möglichkeit, die KiTa abzureißen und auf dem gesamten Grundstück eine Wohnungsbebauung mit deutlich erhöhter Geschosszahl ins Auge zu fassen. Dieses wurde und wird weiterhin vom Beirat Appelhoff absolut abgelehnt. Das Quartier Appelhoff ist bereits eng bebaut. Ein weiteres Bauvorhaben ist im Georg-Raloff-Ring bereits vorgesehen. 

 

Sollte eine wie von der Verwaltung vorgeschlagene Bebauung von acht bis neun Etagen umgesetzt werden, würde eine erhebliche Verschattung einsetzen und die Lebensqualität auch durch den Wegfall der letzten Grünflächen im Innenring erheblich schwinden. Auch führt eine derartige massive Verdichtung häufig zu einer Ghettoisierung. Nimmt die Lebensqualität ab, zieht häufig die Mittelschicht weg. Diese Abwärtsspirale von Quartieren und Stadtteilen ist bekannt. Lassen Sie uns die Fehler der vergangenen Jahre nicht wiederholen.

 

Aus diesen Gründen haben die Anwohner eine derartige Bebauung bereits vor zwei Jahren abgelehnt. Wir sind dankbar, dass die Kirche unserem Wunsch nachgekommen ist.

Nunmehr wird die Kirche von der Verwaltung gezwungen, eine Bebauung zu avisieren, die von der überwältigenden Anzahl der Bewohner des Georg Raloff Rings abgelehnt wird. So kann Verwaltung nicht mit den Bürgern vor Ort umgehen. Auch wenn die Kirche uns mitgeteilt hat, dass sie der Erpressung durch die Verwaltung nicht nachkommen wird, könnte durch die finanziellen Engpässe ein Verkauf des Grundstückes an einen Investor die Folge sein. Dieser wird mit absoluter Sicherheit keine Rücksicht auf die Interessen der Bürger vor Ort nehmen.

 

Die Kirche hat zusammen mit den Anwohnern im Quartier einen Konsens gefunden. Wir wären Ihnen überaus dankbar, wenn Sie sich bei Ihrer Behörde dafür einsetzen können, dass dieser Konsens auch umgesetzt werden kann. Ansonsten fragen sich viele Bürger, warum sie überhaupt noch gefragt werden.

 

Gerne laden wir Sie auch recht herzlich zu unserer nächsten Sitzung des Stadtteilbeirates Appelhoff am 18.12.2017, um 19:00 Uhr in die Schule Appelhoff ein. Bei dieser können Sie dem Beirat sowie den Anwohner mitteilen, warum das vorgelegte qualifizierte Baumgutachten des anerkannten Gartenbauingenieurs Thomsen für die Verwaltung keinen Bestand hat und deshalb ein im Quartier abgestimmtes Bauvorhaben nicht umgesetzt werden kann.

 

Für Rückfragen stehe ich zur Verfügung.

 

Mit den besten Grüßen für den Stadtteilbeirat Appelhoff und die Anwohner

Sandro Kappe

(Vorsitzender des Stadtteilbeirates Appelhoff) 

0151/15591280